Ich hoffe sehr, dass damit die Dinge endlich ins Rollen kommen
, sagt missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber. Im Grunde sind die Verbrechen, die während der Amtszeit des früheren Präsidenten Duterte sowie in seiner Zeit als Bürgermeister von Davao gegenüber wohl mehreren Zehntausenden wehrloser Menschen begangen wurden, mehr als ausreichend dokumentiert. Für die Angehörigen der Opfer der Todesschwadronen war schon die Überstellung Dutertes an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag von enormer Bedeutung. Dass nun eine hochkarätig besetzte Kommission nicht lockerlässt, um Wahrheit und Gerechtigkeit herzustellen, ist absolut notwendig.
Die fünfköpfige „Philippinische Wahrheits- und Versöhnungskommission“ wurde seitens der katholischen Kirche durch Kardinal Pablo David auf den Philippinen im Mai ins Leben gerufen. Geleitet wird sie von einem ehemaligen Richter des Internationalen Strafgerichtshofs. Neben dem Vinzentinerpater Danny Pilario ist die Gerichtsmedizinerin Dr. Raquel Fortun Teil der Kommission. Sie hatte gemeinsam mit dem Steyler Missionar Pater Flavie Villanueva, der im vergangenen November mit dem Ramon Magsaysay-Preis den asiatischen Friedensnobelpreis erhalten hat, nachgewiesen, dass viele der ausgestellten Todesscheine der im Anti-Drogen Krieg Verstorbenen falsche Angaben enthielten und dass die Opfer keines natürlichen Todes gestorben waren.
Wir sehen, dass auf den Philippinen etwas in Bewegung gerät: Auch mit dem gerade angelaufenen Amtsenthebungsverfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte kann der Gerechtigkeit genüge getan werden – gesetzt den Fall, es gelingt, dass Recht und Gesetz zum Zuge kommen und keine Fehde zwischen verfeindeten Familiendynastien ausgetragen wird. Die Menschen auf den Philippinen haben es verdient, dass das Gemeinwohl wieder in den Blick gerät.
Die Menschenrechtslage auf den Philippinen ist bis heute und auch unter der Präsidentschaft von Ferdinand Marcos Jr. besorgniserregend: Die Gesellschaft ist weiter zerrüttet durch Armut, Gewalt und Drogen, durch Kinderprostitution und die Missachtung der Kinderrechte, durch Einschränkungen der Pressefreiheit und politische Repressionen.
Der südasiatische Inselstaat war im vergangenen Jahr unter dem Fokus Menschenrechte Beispielland im Monat der Weltmission. missio-Partner wie Father Flavie Villanueva reisten nach Deutschland, um hier von ihrem Einsatz zu Hause, der für sie teils lebensgefährlich ist, zu berichten.
Die Philippinen sind ein Schwerpunktland in der Projektförderung durch missio München. Zuletzt hatte missio München den Opfern des Erdbebens in Mindanao vom 8. Juni mit 20.000 Euro Akuthilfe zur Seite gestanden. Dort hatten die missio-Projektpartner vor Ort Lebensmittel, Zeltplanen und Matratzen verteilt sowie psychologische Betreuung angeboten.