ee5fc28506fd66400d245dc0e4c7dc1a_w740_h480_cp missio München - Geschichte

„Die Krise der Kirche hat zur Folge, dass der Priesterberuf seine Anziehungskraft verloren hat. Kaum eine Seelsorgerstelle ist noch zu besetzen.“

– Was klingt wie ein Lamento aus unseren Tagen, ist nichts anderes als die Zustandsbeschreibung der katholischen Kirche in Bayern im frühen 19. Jahrhundert. Formuliert hat sie der Historiker Benno Hubensteiner. Wie konnte es dazu kommen? Welche historischen Brüche führten zu dem Bedeutungsverlust der Kirche?

Es war wohl eine Kombination aus mehreren Faktoren: Der veränderte Blickwinkel auf die Wirklichkeit im Zuge der Aufklärung untergrub den Wahrheitsanspruch der Kirche. Die Säkularisierung unter König Maximilian I. und Graf von Montgelas zerstörten die finanzielle Basis des Klerus. Und das Konkordat von 1915 manifestierte den Machtanspruch des Staates über der Kirche.

Die Volkskirche am Ende?

In der Folge gestaltete sich das religiöse Leben im Königreich Bayern recht düster: Die Orden waren enteignet, die Klöster entvölkert, die Amtsgeschäfte der Erzbistümer wurden kommissarisch von Laien geführt. Das Ende der Volkskirche schien besiegelt.

Die Inthronisierung König Ludwigs I. im Jahr 1825 entspannte die Lage. Ludwigs Regentschaft war – im Gegensatz zu der seines Vaters Maximilian I. – zutiefst verankert in der Religion. So bestand er trotz des massiven Widerstands seiner Minister auf einer Wiederbelebung der Klöster in Bayern. Besonderen Wert legte Ludwig I. auf den Benediktinerorden, jenen großen Missions- und Kulturorden des ausgehenden Mittelalters.

Der Alltagsfrömmigkeit der Bayern hatten die politischen Wirren recht wenig anhaben können. Ob fulminante Prozessionen oder festliche Wallfahrten, Rosenkranzgebete oder Maiandacht – der katholische Glaube und die Ausübung desselben spielten eine große Rolle. Auch die Verbundenheit mit den Ordensgemeinschaften war nach wie vor stark. Die Benediktiner bemühten sich besonders um künftige Auswanderer mit der Idee, die religiöse und kulturelle Grundversorgung in verschiedenen Teilen der Welt sicherzustellen. Hierfür suchten sie Priester und bildeten sie für diesen Einsatz aus.

Echte Ideen und Abenteurertum

In der Bevölkerung wuchs das Interesse an fremden Ländern und Menschen, am „Exotischen“. Zunehmend gab es Berichte überseeischer Abenteurer, zum Beispiel von Alexander von Humboldt. Die Idee der Mission reifte. In vielen europäischen Ländern entstanden in diesen Jahren unabhängig voneinander Missionswerke, die es sich zur Aufgabe machten, Missionare finanziell und im Gebet zu unterstützen.

Prominentester Vorläufer war das von der Fabrikantentochter Pauline Jaricot im Jahr 1822 in Lyon gegründete Werk zur Glaubensverbreitung.

König Ludwig I. unterstützte diese Entwicklungen. Nicht zuletzt aufgrund seiner Initiative entstand 1838 unter seinem Protektorat der Ludwig Missionsverein in München, zu dessen wichtigsten Aufgaben zunächst die finanzielle Unterstützung der Missionare in Nordamerika und die Betreuung deutscher Katholiken in den Vereinigten Staaten zählten.

1845 wurde Hofkaplan Ferdinand Müller erster Geschäftsführer des Ludwig Missionsvereins, der drei Jahre später seine erste Zeitschrift herausgab. 1862 wurde der Ludwig Missionsverein Körperschaft des öffentlichen Rechts. 1922 verlegte Papst Pius XI. den Sitz des Werkes der Glaubensverbreitung von Lyon nach Rom – und der Ludwig Missionsverein wurde das Päpstliche Missionswerk in Bayern. Der Sonntag der Weltmission, bis heute zentrale missio-Aktion, wurde 1926 zum ersten Mal als weltweite Kirchensammlung abgehalten.

Widerstand während des Nationalsozialismus

Es folgten schwierige Jahre: Zwischen 1933 und 1945 war der Transfer von Devisen ins Ausland verboten. 1937/38 mussten viele Ordensschulen schließen. Der Ludwig Missionsverein trug Reisekosten für Schwestern und Lehrer, die nach Südamerika auswanderten. Zudem wurde die Kirche in den besetzten Ostgebieten unterstützt. 1941 wurde Johannes Neuhäusler, damals Präsident des Ludwig Missionsvereins, als "gefährlichster Mann im Ordinariat" ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. Die Räume des Vereins wurden 1944 während eines Bombenangriffs zerstört.

Seit 1972 führt das Haus den Namen „missio – Internationales Katholisches Missionswerk Ludwig Missionsverein KdöR“.

Der Ludwig Missionsverein ist heute die Mitgliedergemeinschaft des Internationalen Katholischen Missionswerks missio. Das internationale Hilfswerk hat allein im Jahr 2016 1084 Projekte in 54 Ländern auf den drei Kontinenten Afrika, Asien und Ozeanien unterstützt.

 

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Mission gestern und heute

 

Weltraummissionen starten zu Forschungszwecken ins Weltall, Agenten sind auf der Kinoleinwand in geheimer Mission unterwegs, moderne Unternehmen und Organisationen formulieren ihr Selbstverständnis und ihre Grundprinzipien in sogenannten „mission statements“ – der Begriff "Mission" ist nicht aus der Mode gekommen.

Wird er jedoch in Verbindung mit der Kirche genannt, sind die Reaktionen oft skeptisch. Man denkt an Intoleranz und Imperialismus, an den Versuch, die Macht der Kirche auszuweiten, indem Menschen zur Taufe gezwungen werden. Das ist nicht Mission heute.

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