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Schwester Rolandine Razafiarisoa

Rolandine Razafiarisoa (60) lebte heute wohl ein anderes Leben, hätte ihr nicht einst eine besonders gute Schule den Weg gewiesen: das katholische „Lycée Mompera Michel Ranaivo“ in Analavory im Hochland Madagaskars. Als eines von zehn Kindern einer Familie, die davon lebte, was der Acker hergab, bot die Zukunft damals nicht allzu viele Chancen. Und auch heute noch leben mehr als drei Viertel der Bewohner des Inselstaats unterhalb der Armutsgrenze. Den Unterschied macht die Bildung.

Besonders in einer Gegend, die zunehmend unter Druck steht. Immer mehr Familien verlassen den von extremen Dürren heimgesuchten Süden Madagaskars und ziehen mit leeren Händen in Richtung Norden. Aber auch im Hochland sind fruchtbare Böden knapp und Perspektiven rar. Wer kann, verdingt sich als Tagelöhner. Die Armut ist groß.

Wir sind berufen, an der Seite der Ärmsten zu stehen

Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche, die in Madagaskar gut die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. Oft sind sie mit ihren Müttern auf sich gestellt oder ganz alleine. Früh müssen sie sich Arbeit suchen statt zur Schule zu gehen. Dennoch gelingt dem „Lycée Mompera Michel Ranaivo“ etwas Besonderes: Die Schülerzahlen steigen. Und das, obwohl Geld allerorten knapp ist. Das Schulgeld wird bewusst gering gehalten.

Die Menschen schätzen unsere Arbeit, sagt Schwester Rolandine, die schließlich Ordensfrau und Lehrerin wurde und heute ihrer Ordensgemeinschaft, den „Soeurs de Jeanne Delanoue“ in Analavory vorsteht. Die Kongregation packt nicht nur in Schule und angeschlossenem Internat mit an. Auch Zuhören ist wichtig in einem Land, in dem der Staat abwesend ist.

Inzwischen konnte mit der Hilfe von missio auf dem Schulgelände ein Brunnen gebaut werden. Denn nicht nur Bildung, auch sauberes Wasser ist ein Menschenrecht. Für viele Kinder und Jugendliche ist der Zugang im Schulhof die einzige Möglichkeit, sorgenfrei zu trinken, sich zu erfrischen und zu waschen. Nur wer gesund ist, kann auch gut lernen, davon ist Schwester Rolandine überzeugt. Als nächstes sollen Toiletten gebaut werden.

Unsere Berufung ist es, an der Seite der Bedürftigen zu stehen und uns um die Ärmsten zu kümmern, erklärt Schwester Rolandine.Den Armen zu dienen, heißt aber eben auch, ihnen zu helfen, aus der Armut herauszukommen – zum Beispiel durch Bildung.

Ordensschwester Rolandine Razafiarisoa aus Madagaskar.
© Jörg Böthling/missio München