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Schwester Francette Rakotonirina

Ich sehe jeden Tag, welche Reichtümer und Talente jeder einzelne Mensch in sich trägt. Sie mögen zunächst verdeckt sein in einem Leben, das von Armut, Gewalt und Ausgrenzung geprägt ist. Aber wir bringen sie ans Licht.

Das tut Francette Rakotonirina in den Projekten der Schwestern vom Guten Hirten in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo. Dabei stehen besonders Frauen, Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt – eben die, für die das Überleben in einer der ärmsten Gesellschaften der Welt am schwierigsten ist. Drei Viertel der Bewohner des Inselstaats müssen mit weniger als umgerechnet zwei US-Dollar am Tag über die Runden kommen.

Da gibt es zum Beispiel das „Centre Fihavanana“ in einem benachteiligten Viertel der Millionenstadt, das schon mehreren Generationen an Mädchen und Jungen zu einer Zukunftschance verholfen hat. Oft kommen diese aus zerrütteten Familien, die Eltern sind abwesend oder gewalttätig. Viele der Kinder sind auf sich gestellt, leben auf der Straße und betteln. Im Zentrum gibt es Menschen, die zuhören. Und zweimal am Tag eine warme Mahlzeit. Für jedes Kind beginnt dort ein Bildungsweg – an dessen Ende oft eine gute Berufsausbildung steht. Im Mütterheim am Rand der Stadt finden sehr junge schwangere Frauen Zuflucht und die Möglichkeit, durch Einkommen schaffende Maßnahmen ein selbstbestimmtes Leben in Würde zu beginnen.

Jeder Mensch trägt Reichtümer in sich. Wir bringen sie ans Licht.

Die 38-Jährige Schwester Francette hat aber nicht nur die Probleme der Schwächsten in der Hauptstadt im Blick. Seit einiger Zeit leitet sie aufgrund ihrer großen Erfahrung auch das „Büro für Missionsentwicklung“ für die gesamte Region, also für Madagaskar sowie die Nachbarinseln La Réunion und Mauritius.

Jeden Tag versuche ich, voll Vertrauen und mit der Einfachheit meines Seins auf die Menschen einzugehen, die die Vorsehung mir über den Weg schickt. Was mich immer dabei begleitet, ist das Motto der heiligen Marie-Euphrasie, unserer Ordensgründerin. Es lautet: Die Liebe sagt niemals: ‚Es reicht‘. Das nährt mein Engagement und erinnert mich daran, dass jede Geste der Liebe, so klein sie auch sein mag, Hoffnung schenken und ein Leben verändern kann.

Schwester Francette Rakotonirina
© Jörg Böthling/missio München