Pater Thomas Joseph
Die „Hölle auf Erden“ – Thomas Joseph kennt sie gut. Für ihn ist sie das Staatsgefängnis von Toamasina, eine der größten Vollzugsanstalten Madagaskars. Einst für 350 Häftlinge geplant, drängen sich bis zu 1300 Menschen auf engstem Raum. Darunter straffällig gewordene Kinder und Mütter mit ihren Babys. Krankheiten grassieren. Viele der Inhaftierten sind wegen Bagatell-Delikten hier. Ein gerechtes Verfahren bekommen sie nicht. Manche bleiben jahrelang hinter Gittern.
Père Thomas weiß: Hinter all dem Elend, auf das er dort trifft, steht eine erdrückende Armut und ein abwesender Staat. Gleichzeitig ziehen immer mehr Menschen in die Region um die zweitgrößte Stadt und wichtigste Hafenstadt des Landes. Aber als Ökonom und Projektverantwortlicher für die Erzdiözese Toamasina im Einsatz, hat Père Thomas eine ganzheitliche Agenda. Der indische Ordensmann ist ein Macher. Seit 30 Jahren lebt und arbeitet er in Madagaskar. Zünden wir doch eine Kerze an, statt nur die Dunkelheit zu verfluchen
, zitiert er gerne sein Lieblingssprichwort.
Wo das Leid am Schlimmsten ist, setzen wir Schönes dagegen
Und so wächst das Entwicklungszentrum der Erzdiözese langsam aber stetig weiter. Besonders im Blick: Perspektiven zu schaffen für die überwiegend junge Bevölkerung, durch Ausbildung und Einkommen schaffende Maßnahmen. Neu hinzu kam eine kleine Klinik auf dem Gelände. Der Zulauf an Menschen, die Hilfe benötigen, ist enorm. Aber auch die Bewohner der weit entlegenen Dörfer bleiben durch das Netzwerk der Kirche nicht alleine. Regelmäßig macht sich ein Team mit einer mobilen Klinik per Boot oder Allrad auf, um Kranke zu behandeln, Schwangere zu begleiten und lebenswichtige Medikamente zu bringen.
In den kommenden fünf Jahren will die Erzdiözese weitere Schulen auf den Weg bringen, angebunden an Pfarreien. Wo Kirche ist, da gibt es Ansprechpartner, da gibt es Stabilität
, sagt Père Thomas.
Zurück im Gefängnis: Inzwischen hat das Team der Kirche täglich Zugang, kümmert sich um Alphabetisierung und Ausbildungskurse und hat immer ein offenes Ohr. Ein langgehegter Gedanke war eine Gefängniskapelle. Und auch hier unterstützte missio. Die Kapelle ist inzwischen eingeweiht. Ein Ort der Ruhe und des Trosts mitten auf dem Gelände. Genau dort, wo das Leid am Schlimmsten ist, setzen wir etwas Wunderschönes dagegen. Die Kapelle steht für die Würde eines jeden Menschen. Denn die Bedürftigen sind nicht einfach irgendwelche Leute, es sind unsere Brüder und Schwestern.




