Kardinal Désiré Tsarahazana
Kirche in Madagaskar ist politisch. Muss es sein. Denn die Herausforderungen für die Bewohner des zweitgrößten Inselstaats der Welt sind enorm. Der Ausverkauf an wertvollen Rohstoffen und Gewürzen, der Klimawandel und korrupte Eliten machen ein reiches Land zu einem der ärmsten der Welt.
Als Erzbischof von Toamasina, der wichtigsten Hafenstadt des Landes, ist Désiré Tsarahazana nah dran an den Problemen. Von seinem Schreibtisch aus reicht der Blick bis zum Frachthafen. Er sieht die Container, die wertvolle Güter nach China abtransportieren, ohne jede Wertschöpfung im Land. Er sieht, wie Billigware aus Fernost den madagassischen Markt flutet. Und wie tropische Wirbelstürme in immer kürzeren Abständen die Stadt verwüsten, immer wieder aufs Neue.
Die Erzdiözese Toamasina übernimmt, was der Staat nicht tut und versucht, dagegenzuhalten: mit Projekten für nachhaltige Landwirtschaft, für den Schutz der Umwelt oder mit Bildungs- und Ausbildungsangeboten für die überwiegend junge Bevölkerung, die Potenzial hätte, das Land voranzubringen.
Kardinal Tsarahazana, oberster Repräsentant der katholischen Kirche in Madagaskar, ist eine der wichtigsten Stimmen im Land. Der 70-Jährige mischt sich ein – und seine Statements werden gehört. Auch von den Mächtigen. Wenn Übergangspräsident Oberst Michael Randrianirina mit seinem Hubschrauber in Toamasina landet, um seinen Geschäften nachzugehen, trifft er sich auch mit Kardinal Tsarahazana.
Wir unterstützen die junge Generation, die sich für den Wandel einsetzt
Der hat die Proteste der GenZ im vergangenen September aufmerksam verfolgt: Die Kirche unterstützt die junge Generation, die sich für einen Wandel einsetzt
, betont Tsarahazana. Er sieht aber die gesamte madagassische Bevölkerung und besonders die gut 60 Prozent Christen in der Pflicht, für ihr Land einzustehen.
Korruption betrifft jeden, von der untersten bis zur obersten Ebene. Wollen wir, dass sich unser Land gut entwickelt, müssen wir unsere Geisteshaltung ändern
, sagt Tsarahazana. Dazu gute Bildung, wie die katholischen Schulen sie anbieten. Nur wenn Menschen gut informiert sind, kann bürgerliches Engagement entstehen.
Die Spielräume der Kirche in Madagaskar mögen begrenzt sein. Aber Kirche bezieht auch in Zukunft Position und bleibt weiter ein wichtiger Kompass.




