An die Ränder zu gehen – dazu hat uns der verstorbene Papst Franziskus aufgefordert. Wenn Madagaskar an den Rändern liegt, dann sind wir in Toliara am Rand der Ränder. Wir sind Ärmer als die Armen. Das ist der Südwesten Madagaskars.
Und Erzbischof Bombin kennt die Herausforderungen in einem der größten Inselstaaten der Welt genau: Seit 40 Jahren leistet der gebürtige Spanier hier als Trinitarier-Missionar seinen Dienst, lebte und arbeitete von Nord bis Süd an den unterschiedlichsten Orten. Allen Regionen gemeinsam war und ist große Armut. Drei Viertel der Menschen in Madagaskar leben unterhalb der Armutsgrenze.
Doch in Toliara, der weitläufigsten Diözese der Insel, finden sich alle Nöte wie unter einem Brennglas versammelt. Im „Grand Sud“, im weiten Süden, treffen extreme Dürreperioden und zerstörerische Wirbelstürme in immer kürzeren Abständen aufeinander, was die Lebensbedingungen der ohnehin armen Bevölkerung dramatisch verschärft. Die Region ist strukturell stark unterentwickelt: Es fehlt an Wasser, Nahrung, medizinischer Versorgung und Bildungsangeboten. Die meisten Straßen sind Sandpisten, Strom gibt es kaum. All das erschwert auch die Arbeit in den Pfarreien, die oft sehr abgelegen sind.
Wir haben mehr Hoffnung als Geld
Der Süden Madagaskars ist reich an Rohstoffen, wie Nickel, Kobalt oder Mica. Rohstoffe, die die globalisierte Welt benötigt. Kinder schuften in Minen statt zur Schule zu gehen. Äcker versanden, Fischbestände nehmen ab. Ganze Dörfer ziehen als „Klimaflüchtlinge“ in Richtung Norden.
Erzbischof Gustavo Bombin hat ein Team für Entwicklung aufgestellt. Die Kirche betreibt Schulen in der Peripherie, eine mobile Klinik erreicht Menschen in entfernten Dörfern. Doch immer häufiger brauchen die Menschen die schnelle Hilfe der Kirche, zum Beispiel im Zentrum für unterernährte Kinder oder bei der regelmäßigen Reis-Ausgabe für die Ärmsten.
Die Lebensbedingungen der Menschen sind unwürdig. Aber der Staat hat keine Strategie. Als Kirche hier im Süden haben wir mehr Hoffnung als Geld. Aber unser Sein und Tun gibt den Menschen Kraft.