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Entsetzen nach Anschlag auf den Philippinen


05. Dezember 2023
Nach dem Terroranschlag auf einen katholischen Sonntagsgottesdienst mit vier Toten und 50 Verletzten in der Stadt Marawi auf der philippinischen Insel Mindanao herrscht im Land großes Entsetzen. "Das Massaker in der Turnhalle der Mindanao State University ist ein Verbrechen, das buchstäblich zum Himmel schreit", schreibt missio-Partner Kardinal Orlando Quevedo. "Der Anschlag wurde am ersten Adventssonntag, einer Zeit der Hoffnung, verübt und ist das schrecklichste und verdammenswerteste terroristische Verbrechen gegen unschuldige Gläubige an einem christlichen Feiertag."
© Friedrich Stark/missio München

Kardinal Quevedo sprach den Opfern und ihren trauernden Familien sein tiefes persönliches Beileid und Mitgefühl aus. Er betonte zugleich: "Stimmen werden nach Rache rufen. Aber das Gesetz Christi ist kein Gesetz der Vergeltung, sondern ein Gesetz der Liebe. Bete für deine Feinde. Lass den Frieden in unseren Herzen beginnen." Die Strafverfolgungsbehörden von Mindanao forderte er zugleich auf, "die Täter dieses abscheulichen Verbrechens aufzuspüren und vor Gericht zu stellen."

Am Sonntag (3. Dezember) war im Sonntagsgottesdienst in der Turnhalle des Dimaporo-Gymnasiums auf dem Gelände der Mindanao State University (MSU) in Marawi City den Angaben von missio-Projektpartnern auf Mindanao zufolge ein Sprengsatz gezündet worden. Die Behörden gehen davon aus, dass es sich bei dem Anschlag um einen Vergeltungsschlag einer militanten islamitischen Gruppe handelt. Gegen die Gruppe fanden in jüngster Vergangenheit mehrere Militärschläge statt.

 

Hintergrund: Die politische Situation auf Mindanao

Marawi befindet sich auf Mindanao, der zweitgrößten Insel der Philippinen. Die 200 000-Einwohner-Stadt heißt offiziell "Islamic City of Marawi" und ist die einzige islamische Stadt des mehrheitlich christlichen Inselstaates. Nur etwa vier Prozent der Einwohner sind dort Christen. Muslimische Rebellen kämpfen in der Region seit mehr als 40 Jahren für ihre kulturelle und politische Selbstbestimmung. Der Konflikt ist bis heute ungelöst, obwohl seit 1990 die vom philippinischen Parlament beschlossene Autonome Region Bangsamoro existiert, in der sich auch Marawi befindet. Einen Fahrplan für den Frieden zwischen Rebellen und der Regierung gibt es längst.

Kernstück ist das sogenannte Bangsamoro Basic Law (BBL) – die künftige Verfassung der autonomen Region Bangsamoro. Doch bis heute sind die Beschlüsse nicht in einem Gesetz festgeschrieben. "Wir müssen verstehen, dass es den Muslimen auf Mindanao nicht um einen religiösen Konflikt geht, sondern darum, ihre kulturellen Wurzeln und das begrenzte Gebiet, in dem sie die Mehrheit stellen, zu bewahren. Meine pastorale Aufgabe ist es, der christlichen Bevölkerung verstehen zu helfen, dass der Wunsch ihrer muslimischen Nachbarn nach Selbstbestimmung legitim ist", betont Kardinal Quevedo, der emeritierte Erzbischof der Stadt Cotabato auf Mindanao. Im 14. Jahrhundert war der Islam durch den Missionar Makdum Karim auf die Philippinen gekommen und im Süden durch muslimische Malaien gefestigt worden. Während alle anderen Teile der Philippinen mit der  Kolonialisierung durch die Spanier ab Mitte des 16. Jahrhunderts zum Katholizismus missioniert wurden, blieb der Süden der Philippinen muslimisch.

In den 1950er Jahren wurde die systematische Einwanderung christlicher Siedler nach Mindanao durch die philippinische Zentralregierung in Manila gefördert, die Moros – wie sich die philippinischen Muslime selbst nennen – wurden damit in ihren eigenen Gebieten zur Minderheit. In  den 1970er Jahren kam es zum bewaffneten Konflikt gegen die Zentralregierung,  zunächst durch die Moro National Liberation Front (MNLF). Später entstanden weitere Gruppen wie die Moro Islamic Liberation Front (MILF) und als Abspaltungen davon die terroristische Abu Sajaf und auch die Maute-Gruppe. 

Nahezu unbeachtet von derWeltöffentlichkeit herrschte im Jahr 2017 Krieg auf Minadnao. Kämpfer des Islamischen Staates hatten die Stadt Marawi belagert und in ihre Gewalt gebracht - das Militär schlug
zurück. Fünf Monate dauerten die Luftangriffe und Straßenschlachten. Hunderte Christen wurden als Geiseln genommen, viele von ihnen getötet.

Hintergründe zur Situation in Marawi nach dem Krieg von 2017 finden Sie in der missio-magazin-Reportage "Spur des Terrors" aus dem missio magazin 4_2018.

  

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