Preisträger des Menschenrechts-Filmpreises 2022: A Black Jesus

Die Gewinner des Deutschen Menschenrechts-Filmpreis stehen fest: In der Kategorie Langfilm wird der Dokumentarfilm „A Black Jesus“ von Luca Lucchesi ausgezeichnet, in der Kategorie Kurzfilm überzeugte „Der lange Weg der Sinti und Roma“ von Adrian Oeser die Jury. Insgesamt wird der Preis in sechs Kategorien verliehen – die Gala findet am 10. Dezember 2022 in Nürnberg statt.

Bei der 13. Verleihung des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises in der Nürnberger Tafelhalle wird der Kabarettist und Fernsehmoderator Christoph Süß die Sendung moderieren – als Schirmherrin konnte Ferdos Forudastan (CIVIS Medienstiftung) gewonnen werden. Eintrittskarten können ab sofort bestellt werden: https://www.menschenrechts-filmpreis.de/. missio München hat den Filmpreis mitbegründet.

Preisträger Kategorie Langfilm

„A Black Jesus“ von Luca Lucchesi, Dokumentarfilm, 2020, 92 Minuten

Preisträger Deutscher Menschenrechts-Filmpreis Langfilm: A black JesusAus "A black Jesus" © ph.Dodo VenezianoDer Film, der von Wim Wenders produziert wurde, führt in die Gemeinde von Siculiana, der Heimatstadt von Luca Lucchesis Vater. Dort verehren die Menschen seit Jahrhunderten die Statue eines schwarzen Jesus. Als der 19 Jahre alte Edward aus Ghana, der in einem Flüchtlingszentrum lebt, bittet, gemeinsam mit Einheimischen die Jesus-Statue in einer jährlich stattfindenden Prozession durch den Ort tragen zu dürfen, spaltet dieser Wunsch die Gemeinde. Die Bewohner müssen sich mit ihren eigenen Vorurteilen und ihrer Identität auseinandersetzen.

Auszug aus der Jury-Begründung: „Lucceshis offener, vorurteilsfreier Blick findet sich in seinen Cinemascope-Bildern wieder. Er hört zu und schaut hin, die Fragen müssen wir selbst beantworten: Warum spielen weiße und schwarze Männer getrennt Fußball? Warum haben einige der betagten Einwohnerinnen des Dorfes Angst vor den Geflüchteten? (…) ,Black Jesus‘ ist ein Film, der seine ganz eigene Politik betreibt, indem er Visionen aufwirft, die zeigen, dass ein Miteinander möglich ist, dass die Welt eine andere sein könnte.“

Preisträger Kategorie Kurzfilm

„Der lange Weg der Sinti und Roma“ von Adrian Oeser, Dokumentation, 2022, 45 Minuten

Preisträger Deutscher Menschenrechts-Filmpreis KurzfilmAus "Der lange Weg der Sinti und Roma" © Adrian OeserIndividuelle Geschichten und bisher kaum gezeigtes Archivmaterial nehmen mit in eine Zeit, in der Sinti und Roma - auch nach der Nazi-Zeit - diskriminiert wurden und in der sie sich schließlich zur Wehr setzten. Viele von ihnen mussten erleben, dass Diskriminierung und Verfolgung auch mit der Anerkennung des Völkermords nicht endeten.

Auszug aus der Jury-Begründung: „Die Stärke dieses Films ist, dass er unterschiedlichen Generationen von Sinti und Roma das Wort gibt, um die menschenverachtenden Praktiken von Justiz und Mehrheitsgesellschaft vor und insbesondere nach 1945 eindringlich darzustellen.“

Der Film, der auch die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen kritisch unter die Lupe nimmt, ist bis zum 17.03.2023 in der ARD Mediathek abrufbar.

Preisträger Kategorie Hochschule

„Geamăna“ von Matthäus Wörle, Dokumentarfilm, 2021, 30 Minuten

Preisträger Deutscher Menschenrechts-Filmpreis Hochschuleaus "Geamăna" © Matthäus WörleIn dem Dorf Geamăna im Apuseni-Gebirge in Rumänien lebten einst rund 1000 Einwohner. Heute ragt die Kirchturmspitze aus dem giftigen Schlamm eines benachbarten Kupferbergwerks, fast alle Häuser sind versunken und ihre Bewohner geflohen. Ein paar wenige Menschen sind geblieben – wie Valeria Praţa, die von ihrem kleinen Hof lebt. Filmer Matthäus Wörle begleitet die Frau, deren Verbleiben im Dorf eine Frage der Zeit ist, in ihrem Alltag und teilt ihre Gedanken.

Zur Begründung: Die Jury lobt, dass der Film sensibel und handwerklich gut umgesetzt ein Thema behandele, das nur auf den ersten Blick etwas speziell erscheine. Denn Umweltverschmutzung und Klimaveränderung lasse vielen Menschen keine andere Wahl, als ihr Zuhause zu verlassen. Zusätzlich vermittle der Film eindringlich: Kein Mensch verlässt seine Heimat leichtfertig.

Preisträger Kategorie Non Professional

Preisträger Deutscher Menschenrechts-Filmpreis Non-ProfDie Macher von "Ich wünsche mir" © Medienwerkstatt GS Tennenbronn„Ich wünsche mir ...“ von Anna Broghammer, Marie Freynik, Felix Günter und David Moosmann sowie mit Unterstützung von Kerstin Heinlein (AG Leiterin Grundschule Tennenbronn), Kurzspielfilm, 2022, 5 Minuten

Ein Mädchen sitzt an ihrem Tisch vor dem Fenster und schreibt in ihr Tagebuch. Sie schreibt von ihrem Wunsch, fliegen zu können, und träumt sich mit den Blättern hoch in den Himmel. Bald schon wird aus dem Sommerwind ein Sturm und aus dem Traum ein Albtraum.

Auszug aus der Jury-Begründung: „In ihrem Trickfilm ICH WÜNSCHE MIR erschafft die Medienwerkstatt der Grundschule Tennenbronn eine puppenstubenhafte Erzählwelt mit großer metaphorischer Kraft.“

Preisträger Kategorie Magazin

„MONITOR – Europas Schattenarmee: Pushbacks an der kroatisch-bosnischen Grenze“ von Shafagh Laghai, Nicole Vögele, Klaas van Dijken, Jack Saproch u.a. Redaktionsleitung: Georg Restle, Beitrag Politikmagazin, 2021, 14 Minuten

Preisträger Deutscher Menschenrechts-Filmpreis Magazinaus "Monitor - Europas Schattenarmee" © Monitor/ARDFilmaufnahmen eines europäischen Rechercheverbundes, an dem neben MONITOR „Lighthouse Reports“, SRF Fernsehen, ARD Radio Wien, Der Spiegel, Pointer, Novosti und RTL Kroatien beteiligt waren, belegen schwere und systematische Menschenrechtsverletzungen durch maskierte Uniformierte an der kroatischen Grenze zu Bosnien.

Auszug aus der Jury-Begründung: „Das Thema Flucht ist fast grausamer Alltag geworden in der Fernsehberichterstattung (…) Und doch, es gibt Filmbeiträge, die es schaffen, uns wieder wachzurütteln und zu empören: durch packende Bilder, kluge Dramaturgie und tiefgründige Recherche. All´ das zeichnet den Beitrag ,Europas Schattenarmee: Pushbacks an der kroatischen-bosnischen Grenze' aus.“

Preisträger Kategorie Bildung

„Hayat springt“ von Miriam Goeze, Sozialdrama, 2021, 13 Minuten

Preisträger Deutscher Menschenrechts-Filmpreis Bildungaus "Hayat springt" © Miriam GoezeDie neunjährige Hayat lebt mit ihrem Vater in einer Geflüchtetenunterkunft. Sie liebt es, Spaß mit ihren Freundinnen zu haben – und ist genervt von ihrem Vater, der immer seine Ruhe haben will. Der Film erzählt die Geschichte eines Sommertages, in der sich Hayat mehr traut, als sich nur heimlich durchs Fenster zu schleichen.

Auszug aus der Jury-Begründung: „Es sind gerade die offenen, aber auch gegensätzlichen Bilder, die die Jury überzeugt haben: das ungezwungene Spiel der Kinder und die traurige Stummheit der Erwachsenen, die Tristesse der Unterkunft und die im wahrsten Sinne des Wortes überschäumende Freude am Leben. Sie bieten Anlässe, Flucht- und Migrationsgeschichten sowie ihre Hintergründe zu erzählen, und damit Kindern den Raum zu geben, Fragen zu stellen, die in den meisten Schulen heute ihre Relevanz haben.“

385 Produktionen standen zur Wahl

Insgesamt waren 385 Produktionen bis zum Stichtag 30. Juni 2022 für die 13. Wettbewerbsrunde zum Deutschen Menschenrechts-Filmpreis eingereicht. Vier Fachjurys entschieden über die Preisträger.

Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis ist ein unabhängiger Medienwettbewerb und wird im Rhythmus von zwei Jahren am herausragende Film- und Fernsehproduktionen vergeben, die Geschichte, Wirkungen und Bedeutung der Allgemeinen Menschenrechte thematisieren. Der Preis wird jeweils Anfang Dezember aktuell von 20 Organisationen der Zivilgesellschaft – darunter missio München – gestaltet und finanziert. Zu den Trägern gehören Organisationen der Menschenrechts-, Bildungs-, Kultur- und Medienarbeit, konfessionell geprägte Organisationen, Gewerkschaften sowie Wohlfahrtsverbände und kommunale Einrichtungen. Sie sind geeint im Ziel der Achtung und Wahrung der Menschenrechte. Zudem unterstützen Verbände und Einzelpersonen den Filmwettbewerb. Mehr Informationen zum Preis erhalten Sie hier: https://www.menschenrechts-filmpreis.de/

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