Appell aus Tigray, Äthiopien, zur Deeskalation der Lage; Foto: Jörg Böthling

missio München ist entsetzt über die nicht endende humanitäre Katastrophe im äthiopischen Tigray. Mit einem verzweifelten Appell hat sich jetzt der Bischof der äthiopischen Diözese Adigrat, Tesfaselassie Medhin, an das katholische Hilfswerk und weitere Organisationen gewandt. „Tag für Tag sterben unzählige Kindern, Frauen und Männer. Ich appelliere an unsere und ausländische Regierungen, internationale Organisationen und Firmen, die den Konflikt anheizen, auf Verhandlungen zu dringen, die alle Konfliktpartner einschließen.“

Ein Mittelsmann hat das Schreiben des missio-Projektpartners aus der nahezu komplett abgeschotteten Region Tigray hinausgebracht. „Das Schreiben von Bischof Tesfaselassie ist zutiefst erschütternd“, sagt missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber. „Das Leid der Zivilisten setzt sich dort ungebrochen fort. Ich mahne alle Verantwortlichen inständig, endlich ernsthaft Frieden anzustreben.“

Der seit November 2020 andauernde bewaffnete Konflikt hat Millionen Menschen in eine humanitäre Notlage gebracht. Die Hilfsgüter, die seit kurzem nach Tigray gelangen, reichten bei weitem nicht. „Die grundlegendsten Dinge sind blockiert: Der Transport auf den Straßen, Flugverbindungen, Telefon und Internet, das Banksystem. Unsere katholischen Einrichtungen haben der Not der Bevölkerung kaum etwas entgegenzusetzen“, berichtet Tesfaselassie.

Nach wie vor sei Tigray von der Außenwelt isoliert. „Mehr als fünf Millionen Menschen hungern. Für 1,7 Millionen Studierende ist das Studium weggebrochen. Über zwei Millionen Menschen sind Geflüchtete im eigenen Land. Allein hier in Adigrat haben 100.000 Menschen Zuflucht gesucht, ohne Essern, Unterkunft, Wasser und medizinische Behandlung“, schreibt Bischof Tesfaselassie.

missio München unterstützt zahlreiche Projekte in Äthiopien und hat enge Kontakte in die Region Tigray. Ende 2020 wurde dort in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatskanzlei ein großangelegtes Projekt für Zugang zu sauberem Trinkwasser bewilligt, das trotz des anhaltenden Krieges weiter umgesetzt wird.

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