WMS-Praktikantinnen missio München

Wann war ich furchtlos - und wann habe ich Angst? Was hält uns eigentlich davon ab, mutig zu sein? Zwei unserer diesjährigen Praktikantinnen zum Weltmissionssonntag haben sich mit diesen Fragen für unsere Aktion Furchtlos auseinandergesetzt. Hier lesen Sie die Erfahrungen und Gedanken von Katharina Becker und Michelle Siegel.

Wann war ich mutig?

12 2020 furchtlos katharina beckerKatharina BeckerEs gibt wahrscheinlich viel öfter kleine Situationen, in denen wir mutig sind, ohne es zu merken, oder ohne, dass wir es Mut nennen würden. So würde ich es als mutig ansehen, auf Menschen zuzugehen, die in unserer Gesellschaft im Alltag oft vergessen werden, und sich dafür einzusetzen, dass ihre Geschichten und ihre Stimmen gehört werden.

Ich engagiere mich schon seit mehreren Jahren in der Arbeit mit geflüchteten Menschen. So kümmere ich mich auch in meiner Studienstadt Marburg für eine Gruppe geflüchteter Frauen. Zum einen ermöglichen wir es den Frauen, sich in einem geschützten Raum auszutauschen, zum anderen stärken wir uns gegenseitig.

Bei einem besonderen Projekt, das wir vor ein paar Monaten begonnen haben, sollen die Frauen Fotos machen von Orten, Gegenständen oder Menschen, die ihnen etwas bedeuten, die sie mit einem bestimmten Gefühl verbinden oder die Erinnerungen in ihnen hervorrufen. Bei unseren Treffen sprechen die Frauen über die Bilder und die Gedanken, die sie dazu haben.

Abschließend wird es im kommenden Jahr eine Ausstellung mit den Fotos und Texten der Frauen geben.

Mit diesem Projekt möchten wir den Frauen einen Raum geben, damit andere Menschen ihre Geschichten, Ängste und Wünsche kennenlernen und beginnen, ihren Blick für sie zu öffnen und sie als Teil unserer Gesellschaft anzusehen. Die Mutigsten bei diesem Projekt sind auf jeden Fall die Frauen selbst! Aber auch wir Mitarbeiterinnen zeigen unseren Mut, indem wir den Frauen signalisieren, dass wir sie wahrnehmen, ihnen zuhören, von ihnen lernen und sie unterstützen.

 

Furchtlos durchs Leben

12 2020 furchtlos michelle siegelMichelle SiegelFurchtlos sein ist keine Selbstverständlichkeit. Aber was ist eigentlich diese Furcht, die uns davon abhält, furchtlos zu sein? Laut dem Wörterbuch ist Furcht Angst. Um genau zu sein, Angst, angesichts einer Bedrohung oder Gefahr. Im deutschen Sprachgebrauch heißt es, „Jeder hat vor irgendetwas Angst“. Demnach ist Angst/Furcht selbstverständlich und „Furchtlos sein“ ist es nicht. Dieser Ansatz moderner Psychologie mag richtig sein, das sollte er aber nicht sein. Denn Gott spricht: „Fürchte Dich nicht, denn ich habe Dich erlöst!“

Angst/Furcht hat nicht das Recht, unser Leben zu bestimmen. Jesus bestimmt unser Leben. Und ER ist Liebe und Frieden. ER ist furchtlos und „furchtlos sein“. Dennoch ist es wichtig, für uns zu wissen, dass „Angst haben“ keine Schande und keine Sünde ist. Tatsächlich ist „furchtlos sein“ besonders – besonders, aber nicht unmöglich. Jedem kann es möglich sein, furchtlos zu agieren, im Kleinen und im Großen.

Auch ich war und bin furchtlos. Damals, als mein Vater die Stützräder meines Fahrrads abschraubte; damals, als ich die Hand meiner Mutter losließ, um zum ersten Mal den Schulklassenraum zu betreten; damals, als ich mich dafür entschied, meinen Glauben an Jesus Christus vor meinen Mitschülern zu vertreten; damals, als ich nach der 13. Klasse in den Flieger nach Benin stieg, um ein Jahr lang als einzige Weiße in Missérété zu leben und durch all das eine riesengroße Bereicherung für mein Leben zu erfahren.

Aber auch ich hatte und habe Angst. Angst davor, Fehler zu machen; Angst, geliebte Menschen zu verlieren. Doch Gott ist mein Tröster und mein Anwalt.

Die Aktion Furchtlos von missio hat es sich zum Ziel gesetzt, auf Ungerechtigkeiten, Bedrohungen und Gefahren, die Angst säen, hinzuweisen und sich verstärkt für die Rechte von Frauen und Mädchen einzusetzen. missio unterstützt starke Frauen weltweit und will darauf aufmerksam machen, dass christliches Zeugnis in der Welt Engagement, Kraft und Mut fordert.

Gemeinsam sind wir stark! Als eine Familie, verbunden durch das Sakrament der Eucharistie, kann jeder von uns, in Gebet und gegenseitiger Unterstützung, dazu beitragen, dass „Furchtlos sein“, im Vertrauen des Glaubens eine Selbstverständlichkeit wird.

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