Kohlemine in Sambia

Angesichts weltumspannender Krisen und sich zuspitzender Konflikte fordert Professor Jürgen Zimmerer eine neue Ethik: „Die Dekolonisierung ist überlebenswichtig“, sagt der Historiker in der neuesten Ausgabe des „missio magazin“ des Internationalen Katholischen Hilfswerks missio München.

Für Zimmerer liegen die Wurzeln für enthemmte Globalisierung und „Verschwendungskapitalismus“ im europäischen Kolonialismus: „Ein Leben über die eigenen Verhältnisse und das Verbrauchen von mehr Ressourcen als man hat und einem zustehen würden, sind über Jahrhunderte kolonialer Expansion eingeübt“, bescheinigt er – während gleichzeitig die verheerendsten Auswirkungen des kolonialen Erbes, wie zum Beispiel der durch Raubbau beschleunigte Klimawandel und seine Folgen, außerhalb Europas zu spüren seien.

Zimmerer kritisiert ein Europa, das an seiner Vormachtstellung festhalte und in Teilen durch nationalistische Tendenzen auffalle: „Europa ist nicht mehr das Zentrum der Welt“, betont der Professor für Globalgeschichte. Gemeinsames Handeln sei ein Gebot der Stunde. Im Gespräch mit der missio-magazin-Redaktion fordert Zimmerer ein Umdenken in den Ländern des Globalen Nordens: „Globale soziale Gerechtigkeit und De-Growth oder zumindest ein Wohlstandsverzicht im reichen Norden zugunsten eines grünen Wachstums im Globalen Süden.“

Gefragt sei zudem eine kritische Analyse der kolonialen Vergangenheit Europas. Immer wieder bescheinigte Zimmerer in Deutschland – zuletzt in Debatten über das Berliner Humboldt Forum – eine weit verbreitete „koloniale Amnesie“ und prangerte das fehlende Bewusstsein in Politik und Gesellschaft für die während der Kolonialzeit ausgeübte Gewalt und die mangelnde Sensibilität im Umgang mit den Nachfolgestaaten der deutschen Kolonien an.

Jürgen Zimmerer ist Professor für Globalgeschichte mit Schwerpunkt Afrika an der Universität Hamburg. Er leitet die Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“. Zu den Forschungs- und Arbeitsgebieten des Historikers gehören unter anderem die (Post-)Kolonialgeschichte und das Verhältnis von Kolonialismus und Klimawandel sowie Gewalt. Den ganzen Artikel finden Sie hier.

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