834305c8fe7ab9357cf588f03e54ee3d_w1170_h600_cp missio München - Online-Live-Talks

Im Monat der Weltmission hat missio München traditionell Projektpartner aus Afrika, Asien oder Ozeanien zu Gast, die bei Veranstaltungen und in Vorträgen in Bayerns (Erz-)Bistümern und in der Diözese Speyer über die Lage der Menschen und der Kirche in ihrer Heimat berichten. Wegen der besonderen weltweiten Corona-Situation nehmen in diesem Jahr die Gäste aus der Schwerpunktregion Mali, Niger und Burkina Faso meist virtuell an den missio-Veranstaltungen teil. Dazu haben wir vier Online-Live-Talks veranstaltet, die Sie sich auf unserer Facebook-Seite ansehen können.

Online-Live-Talks mit unseren Gästen aus Mali, Niger und Burkina Faso:

  • "Niger – Nichts geht ohne Frauen"
    Online-Live-Talk mit Schwester Marie Catherine Kingbo, Gründerin einer Schule für Mädchen und Bischof Ambroise Ouédraogo aus Maradi

80 Prozent der Frauen in Niger können nicht lesen und schreiben. Durchschnittlich bringt jede Frau sieben Kinder zur Welt - dabei stirbt alle zwei Stunden eine Gebärende. Die Perspektiven für Frauen sind nicht allzu rosig. Doch es gibt Menschen wie Schwester Marie Catherine Kingbo, die für die Bildung von Frauen kämpfen und in ihnen die Zukunft sehen. Was ist nötig, damit aus Niger ein sicherer und gedeihender Staat wird? Geht wirklich nichts ohne Frauen? Und welche Rolle spielen die Christen, die maximal 1,5 Prozent der Bevölkerung ausmachen? 

WMS 2020 Marie KingboSchwester Marie Catherine Kingbo ist die Ordensoberin der "Fraternité des Servantes du Christ" in Maradi, Niger. "Ich sage es ganz klar: Ohne die afrikanische Frau kann sich Afrika nicht entwickeln! Das wird deutlich, wenn man den Platz sieht, den sie in der Familie und in der Gesellschaft einnimmt", so die Schwester. "Daher setze ich auf die Bildung der Mädchen!"
Gemeinsam mit nur einer Mitschwester kam Schwester Marie-Catherine Kingbo 2006 in die Diözese Maradi in Niger, um dort eine Ordensgemeinschaft zu gründen. Heute stehen da, wo Schwester Marie-Catherine aus dem Nichts begonnen hat, eine Schule und ein Internat, die von ihr und den Schwestern der Ordensgemeinschaft "Fraternité des Servantes du Christ" geführt werden. In den Dörfern bringt sie die Menschen zusammen, um heikle Themen zu diskutieren: etwa, dass Mädchen teils schon im Alter von neun Jahren verheiratet werden.
Im ländlichen Umfeld, wo die Armut am gravierendsten ist, ermutigt sie die Frauen, sich mithilfe von Mikrokrediten wirtschaftlich auf eigene Füße zu stellen und Vorräte für schwere Zeiten anzulegen. Denn die durchlebt Niger immer wieder: Das Land in der Sahelzone kämpft gegen den Hunger. Dazu kommt der Terror islamistischer Gruppen. Schwester Marie-Catherine Kingbo hat sich das Vertrauen der Dorfchefs und der Imame des muslimischen Landes erarbeitet, in dem die Christen nur eine kleine Minderheit sind. Einer der islamischen Führer hat ihr gesagt: „Wenn es noch zehn Frauen hier gäbe wie Sie, dann wäre Niger ein anderes Land!“

 

WMS 2020 Ambroise OuedraogoMonsignore Ambroise Ouédraogo hat als Bischof von Maradi, Niger, unter anderem ein Programm für interreligiösen Dialog zwischen Muslimen und Christen ins Leben gerufen. Zahlenmäßig sind die Verhältnisse klar: Die Bevölkerung im Wüstenstaat Niger besteht zu fast 99 Prozent aus Muslimen. Höchstens 1,5 Prozent sind Christen. „Aber nur, wenn ich großzügig zähle“, sagt Msgr. Ambroise Ouédraogo. Geboren in Burkina Faso, lebt und arbeitet er seit 1985 im Niger. Seit 2001 ist er Bischof von Maradi. „Wir schwimmen in einem Meer der Muslime“, sagt der Bischof, fügt aber sogleich hinzu: „Auch wenn wir eine Minderheit sind: Wir sind eine Minderheit, die ihren festen Platz hat.“ Zum friedlichen Dialog mit der Mehrheit sieht er keine Alternative. „Wenn die Muslime eines Tages sagen würden: Wir  wollen die Christen hinauswerfen, so könnten sie das jederzeit tun“, sagt Bischof Ambroise. In der Vergangenheit hat es bereits Anschläge und Übergriffe durch Extremisten gegeben, wie etwa 2015 in der Stadt Zinder, als unter anderem eine katholische Schule zerstört wurde. „Aber die meisten Muslime respektieren uns“, sagt der Bischof von Maradi. „Die Menschen sehen, wie viel Gutes wir tun.“ Die Rolle, die die Kirche über ihre Projektarbeit inzwischen einnimmt, ist bedeutend für die Entwicklung des Landes, sei es im Bereich der Schulen, bei der Landwirtschaft der Kleinbauern oder auch bei der Nothilfe angesichts von wiederkehrenden Dürren und Mangelernährung. Mit der Stadt Agadez gibt es im Niger ein Drehkreuz der afrikanischen Migration. Seit die Wege durch die Sahara und über das Mittelmeer immer schwieriger werden, stranden hier zahllose junge Migranten. Sie zu versorgen, ist eine große Herausforderung für die Zukunft. Denn Terrorgruppen, die im Namen des Islam operieren, bedienen sich nur allzu gerne bei der perspektivlosen Jugend und finden dort immer wieder neue Kämpfer.
Das Gespräch können Sie unter diesem Link auf Facebook ansehen.

  • "Mali nach dem Putsch – Deutsches Engagement für Frieden und Entwicklung"
    Online-Live-Talk mit Jonas Dembelé, Bischof von Kayes und Vorsitzender der Bischofskonferenz in Mali, Christian Wilhelm, Oberstleutnant und bis Ende März 2020 Mitglied im Führungsstab des MINUSMA-Kontingents der Bundeswehr in Mali, und Klaus Steiner, entwicklungspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag. Es moderiert missio-Magazin-Redakteur Christian Selbherr.

Im August hat das Militär Malis Präsidenten Ibrahim Boubacar Keita gestürzt - ein Ergebnis tiefgreifender Spannungen. Das Land hat schon lange mit Armut, wachsender Korruption, organisierter Kriminalität und islamistischen Terrorgruppen zu kämpfen. Nachdem es 2012 fast zu einer Machtübernahme durch Extremisten gekommen wäre, ist seit 2013 die Bundeswehr vor Ort - im Rahmen eines EU- sowie eines UN-Mandats. Dabei sollte das Land nicht nur sicherheitspolitisch, sondern auch zivilpolitisch gestärkt werden. Inwiefern hat der Putsch die fragile Gemengelage verändert? Welche Perspektiven gibt es? 

WMS 2020 Jonas DembeleMonsignore Jonas Dembelé ist Bischof von Kayes und Vorsitzender der Bischofskonferenz von Mali. "Der Terrorismus ist wie ein Krebsgeschwür", sagt der Bischof. "Man bekämpft ihn an einer Stelle. Dann tritt er an einer anderen wieder auf." 2012 brach im Norden des Landes die Tuareg-Rebellion aus, es folgte der Aufstieg von Terrorgruppen wie AQIM (al-Qaida im Maghreb), Ansar Dine, Islamischer Staat und einigen anderen. Viele dieser islamistischen Kämpfer hatten zuvor in Libyen an der Seite von "Revolutionsführer" Gaddafi gestanden. Sie flohen nach Mali, nachdem Gaddafi 2011 abgesetzt und getötet worden war. Seit 2013 versuchen die ehemalige Kolonialmacht Frankreich und die Vereinten Nationen (UNO) nun, Mali militärisch zu stabilisieren. Am UNO-Einsatz MINUSMA (etwa 12.000 Soldaten) ist auch die deutsche Bundeswehr mit inzwischen bis zu 1.100 Soldaten beteiligt.
In den Städten des Nordens gab es eine Weile wegen der Krise kaum noch kirchliches Leben. Aus der Stadt Gao mussten die Priester fliehen, derzeit kümmert sich eine engagierte Laiengemeinde um die Pfarrei. Im Süden nahe Karangasso wurde 2017 eine kolumbianische Ordensschwester entführt; sie befindet sich (Stand: März 2020) noch immer in der Hand der Kidnapper. Tausende Menschen verlassen ihre Heimatorte und ziehen in Richtung Bamako. Am Rande der Hauptstadt wachsen die Elendsquartiere – es sind ärmliche Notquartiere auf Müllkippen und Bauruinen. Auch eine Region wie Kayes an der Grenze zu Senegal und Guinea spürt die Auswirkungen. „Wir müssen endlich verstehen“, sagt Bischof Jonas Dembélé, der auch Vorsitzender der Bischofskonferenz von Mali ist, „dass wir keine Krise im Norden haben. Wir haben eine Krise in ganz Mali!“
Das Gespräch können Sie unter diesem Link auf Facebook ansehen und hier auf Youtube

  •  "Dem Terror zum Trotz"
    Online-Live-Talk mit Francois Paul Ramdé, Leiter der christlich-muslimischen Friedensinitiative UFC in Burkina Faso

Die Bedrohung durch den grenzübergreifenden Terrorismus in Burkina Faso ist enorm. Derzeit vergeht kaum eine Woche ohne Überfälle und Anschläge, besonders auf Dörfer und Gemeinden in den Regionen nahe der Grenzen mit Mali und Niger. Zunehmend werden Christen Ziel der Anschläge. Der Bischof von Dori im Norden des Landes, Laurent Dabiré, hat aus Sicherheitsgründen bereits ganze Pfarreien schließen müssen. Welche Zukunft haben Christen noch in dem Staat? Gibt es Zeichen der Hoffnung? 

WMS 2020 François RamdéFrançois Paul Ramdé ist Leiter der "Union Fraternelle des Croyants – UFC", übersetzt: "Geschwisterliche Vereinigung der Gläubigen" in Dori, Burkina Faso. Er hat christlich-muslimische Dialoggruppen eingerichtet und war für die Organisation einer zweiten Friedenskarawane für junge Menschen zuständig, die im September 2019 stattfand.
"Wir gehen durch eine Zeit der Höllenqualen", sagt François Ramdé mit Blick auf die steigende Gewalt gegen Christen. Ein katholischer Priester wurde entführt. Von ihm fehlt jede Spur. Die Initiative "Union Fraternelle des Croyants" wurde bereits in den 1960er-Jahren in der Stadt Dori gegründet und setzt sich für ein friedliches Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen ein. Jetzt ist dieser Frieden in Gefahr. Tausende Familien in der Region verlassen ihre Heimatdörfer und fliehen in andere Städte und Gegenden. Dort finden sie Schutz in Lagern oder sie werden von anderen Familien aufgenommen. Christen und Muslime helfen sich gegenseitig. Das gibt Grund zur Hoffnung in diesen turbulenten Zeiten. "Wir sehen uns als Baumeister des Friedens", sagt François Ramdé und betont: "Je mehr wir es schaffen, die Menschen zur Toleranz, zum gegenseitigen Respekt und zum Frieden zu bewegen, desto schwerer tun sich die Terroristen damit, neue Kämpfer anzuwerben." Er ist überzeugt: "Radikale Gruppen wollen uns gegeneinander aufhetzen. Aber ich glaube fest daran, dass ihnen das nicht gelingt."
Das Gespräch können Sie unter diesem Link auf Facebook ansehen.

 

  • "Brücken bauen zwischen Islam und Christentum"
    Online-Live-Talk mit Marie-Thérèse Djibo, Verantwortliche für den interreligiösen Dialog der Erzdözese Niamey, und Bischof Ambroise Ouédraogo aus Maradi, beide aus Niger

Die Situation für Christen in Niger ist angespannt. Es kommt immer wieder zu Anschlägen durch islamistische Extremisten - hier ist insbesondere die Sekte Boko Haram zu nennen. Auch in Corona-Zeiten ging die Bedrohung weiter, insbesondere aus der Grenzregion zu Burkina Faso wurde fundamentalistische Gewalt gemeldet. Wie lässt sich die Gefahr eindämmen? Wieviel Mut bedarf es, wie unser Gast zum Christentum zu konvertieren? Gibt es jemals Hoffnung auf Frieden zwischen den Religionen? 

WMS 2020 Fatouma DjiboMarie-Thérèse Djibo ist Mitarbeiterin der Kommission für interreligiösen Dialog in der Erzdiözese Niamey in Niger. Sie wäre eine hervorragende Präsidentin ihres Landes. Das ist der Eindruck, den man gewinnt, wenn man Marie-Thérèse Djibo begegnet. Kultiviert, gebildet, geradlinig in ihren Ansichten und diplomatisch in der Formulierung: Das ist Marie-Thérèse Djibo. Eigentlich, und das ist noch eine Besonderheit der 71-Jährigen: Fatouma Marie-Thérèse Djibo. Fatouma, das ist der Name aus den ersten Jahrzehnten ihres Lebens: "Ich war 50 Jahre lang Muslimin, bis ich den inneren Ruf verspürte, mich taufen zu lassen. Also habe ich das getan", sagt sie. Als wäre das eine Selbstverständlichkeit in Niger, dem westafrikanischen Land, in dem die große Mehrheit muslimisch ist und nur eine kleine Minderheit christlich. Und ein noch kleineres Grüppchen davon katholisch.
Über Jahre hinweg hat Marie-Thérèse Djibo für die Muslime in Niger die Pilgerfahrt nach Mekka organisiert. Aus dieser Zeit her kennen und schätzen sie die Vertreter der muslimischen Geistlichkeit im Land. Das hilft ihr, wenn sie nun als Repräsentantin des Erzbischofs von Niamey für die Katholiken im Land spricht. 2015 war das wichtig, als nach Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen durch eine Satirezeitschrift in Paris im Niger Schulen und Kirchen brannten, und ist es auch heute. "Ich denke, dass man als Christ, der sich nach dem Evangelium richtet, gut hier leben kann", sagt sie. Sicher ist: Die Christen im Land haben in ihr eine einflussreiche Fürsprecherin.
Das Gespräch können Sie unter diesem Link auf Facebook ansehen.

 

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