d0bd4308d7d8a948b1100fc523a6877c_w1170_h600_cp missio München - Kirche in China: Pater Welling warnt vor zunehmender Unterdrückung

Der Steyler Missionar und Direktor des China-Zentrums, Pater Martin Welling, zeigt sich im Interview mit dem aktuellen missio magazin besorgt über die Situation der Katholiken in China: "Die Partei erwartet, dass alle Katholiken nur noch in offiziell registrierten Gemeinden ihr Glaubensleben aus­üben." Nach dem jüngsten Abkommen zwischen China und dem Vatikan seien die Christen im Untergrund orientierungslos.

"Viele waren enttäuscht, dass die Untergrundkirche und deren treue Bischöfe, die viel gelitten haben und als Held der Kirche verehrt werden, weder in den vatikanischen Verlautbarungen zum Vertrag noch im Brief des Papstes gesondert angesprochen wurden", sagt Pater Welling. Ohne konkrete Texte oder verbindliche Interpretationen habe es die Untergrundgemeinschaft aber schwer, sich gegen staatliche Unterdrückung zu wehren.

In China untersteht jede Religionsgemeinschaft der staatlichen Kontrolle. So werden katholische Bischöfe von der kommunistischen Regierung Pekings ernannt, nicht vom Vatikan. Neben der offiziellen chine­sischen Kirche hat sich daher auch eine Untergrundkirche gebildet, die sich an Rom orientiert. Ein im ver­gangenen September geschlossenes Abkommen zwischen China und dem Vatikan gesteht Rom nun erst­mals wieder ein Mitspracherecht bei der Ernennung von Bischöfen zu.

Pater Welling warnt dennoch vor einer zunehmenden Unterdrückung: „China bereitet im Augenblick ein neues Internetgesetz vor, das religiöse Aktivitäten im Internet verbietet. Wenn es verabschiedet wird, dürfen auf sozialen Medien keine religiösen Aktivitäten mehr gezeigt werden, selbst Hochzeitfotos könnten dann von dem Verbot betroffen sein. Einfach alles wird unter staatliche Kontrolle gesetzt.“

Das missio magazin wird alle zwei Monate vom Internationalen Katholischen Missionswerk missio München herausgegeben. Monsignore Wolfgang Huber, Präsident von missio München, ist seit April 2018 Vorsitzender des China-Zentrums in Sankt Augustin bei Bonn. Das Zentrum dient der Förderung von Begegnung und Austausch zwischen den Kulturen und Religionen im Westen und in China.

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