63bc7ed178fb8f3d4bee5ffe0f8df244_w1170_h600_cp missio München - Das zehnte Kriegsjahr beginnt – Wiedersehen mit zwei jungen Syrern

Für Syrien beginnt Mitte März das zehnte Kriegsjahr. Im missio magazin 6/2016 erzählten uns zwei Syrer ihre Geschichte. In ihrer Heimat gehörten sie der „Aleppo Family“ an, einer Gruppe junger Menschen, die sich im Krieg um Notleidende kümmerte. Als es zu gefährlich wurde, kamen sie nach Europa. Wie geht es ihnen heute?

Sra schreibt sich jetzt mit a: Sara. In Deutschland ist das leichter zu verstehen. Als die junge Frau aus Syrien vor knapp fünf Jahren nach Deutschland kam, wollte sie nicht unbedingt lange bleiben. Nur so lange wie nötig. Ihr Leben war noch zu sehr verwurzelt in der Heimat. Auch ihr Vater war damals noch im Bürgerkriegsland Syrien. Heute ist die Familie wieder vereint: Ihre Mutter, ihr Vater und ihre zwei Schwestern wohnen alle gemeinsam im nordrhein-westfälischen Löhne und lernen Deutsch. Sara Aelo (25) lebt inzwischen in Bochum und studiert Architektur. Bei ihrem letzten Gespräch mit dem missio magazin hatte Sara genau diese Wünsche: In einer größeren Stadt zu wohnen und Architektur studieren zu können. Sie hat beides geschafft.

„Den Studienplatz zu bekommen, war eines der schönsten Erlebnisse“, sagt sie. Sara hat darauf hingearbeitet, konsequent Sprachkurse besucht und sich um einen Platz im Studentenwohnheim bemüht. Inzwischen ist ihr Deutsch nahezu fehlerfrei. „Ja, ich sehe Deutschland als meine zweite Heimat. Ich fühle mich hier gut integriert“, sagt sie heute. In Syrien war die junge Frau seither nicht mehr. „In meiner Stadt, Al-Hasaka, gibt es noch Bombenanschläge, Entführungen, Diebstähle, die Gesundheitssituation ist schlecht und die Infrastruktur zerstört.“ Außerdem sei die Anzahl der Christen in ihrem Heimatort stark gesunken. „Allein von meiner sehr großen Familie und Verwandtschaft sind nicht mehr als zehn Personen in Syrien übrig geblieben und auch die möchten am liebsten weg“, sagt Sara.

„Das Schwierigste war, wieder von Null anzufangen“

Ähnliches berichtet auch Wael Hulou. Der 38-jährige Syrer verließ zwei Jahre nach Kriegsausbruch sein Heimatland. „Vielleicht ist es an manchen Orten heute wieder sicherer als noch vor ein paar Jahren, aber es sterben noch immer Menschen und die wirtschaftliche Situation hat sich extrem verschlechtert“, sagt er. „Ich kenne Leute, die die ganze Zeit dort geblieben sind und jetzt anfangen, darüber nachzudenken, aus Syrien wegzugehen.“ Wael Hulou lebt inzwischen im italienischen Parma und arbeitet bei dem Lebensmittelunternehmen „Barilla“ – als „Kommunikationsleiter für Vielfalt und Inklusion“. Er sagt: „Das Schwierigste war, wieder von Null anzufangen: Italienisch lernen, einen Job finden, ein Netzwerk aufbauen“.

In Syrien war er, genauso wie Sara Aelo, Teil der „Aleppo Family“. Was im Jahr 2012 als kleine, religionsübergreifende Initiative des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes begonnen hatte, entwickelte sich im Laufe des Krieges zu einem gut organisierten Hilfsprogramm mit Essensausgaben, Notunterkünften und medizinischer Versorgung. Erst als das Leben in Syrien zunehmend gefährlicher wurde, entschieden sich viele der jungen Helfer zur Flucht. 25 von ihnen trafen sich 2016 bei missio München wieder. Danach musste jeder erst einmal seinen eigenen Weg finden. Sich in der neuen Lebenssituation zurecht finden. Kraft schöpfen. Doch inzwischen würde Wael Hulou die ehemaligen Mitglieder der „Aleppo Family“ gerne wieder vereinen. Schon bald will er ein Wiedersehen organisieren – diesmal in seiner neuen Heimat Italien.

Autorin: Steffi Seyferth

Mehr unter: https://missio.com/angebote/publikationen/missio-magazin

Beispiel für Projektarbeit in Syrien: https://missio.com/unsere-projekte/nothilfe-leisten

 

 

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