Abba Petros

„Wir erleben gerade einen äthiopischen Frühling. Unser Land erfährt tiefgreifende positive Veränderungen – mit enormer Geschwindigkeit“, betonte der katholische Priester Petros Berga bei einem Besuch bei missio München. Der neue äthiopische Premierminister, Abiy Ahmed, sei ein „äthiopischer Obama“, ein charismatischer Redner, der die um Macht ringenden Gruppen und Ethnien versöhnen will. „Nach Jahren politischer Stagnation und wachsender Spannungen in der Bevölkerung ist Hoffnung spürbar. Zugleich bilden sich aber gerade ernst zu nehmende Gegenkräfte, wie die gewaltsamen Ausschreitungen am vergangenen Samstag gezeigt haben“, so der Projektpartner.

Bei einer Demonstration in der äthio­pischen Hauptstadt Addis Abeba gegen seinen Reformkurs entging der neue Premierminister nur knapp einem Attentat. Ein Mensch starb, über 150 wurden verletzt. Der Widerstand gegen das Friedensangebot an Eritrea, der sich in einigen Bevölkerungsschichten rege, sei dabei nur ein Vorwand. Im Grunde ginge es um den Machterhalt der bisher herrschen­den politischen Eliten und Parteifunktionären. „Jetzt ist der entscheidende Moment, auch diejenigen einzubeziehen, die um das Wegbrechen ihrer Strukturen fürchten. Der arabische Frühling ist deshalb verpufft, weil er nicht auf eine reife Gesellschaft getroffen ist, die Diskussionen zugelassen hat.“ Aus diesen Fehlern müsse Äthiopien jetzt lernen, mahnt Petros Berga. „Andernfalls kann sogar ein Krieg drohen. Als katholische Kirche sehen wir uns hier in der Pflicht, den jungen Leuten Raum zur Debatte zu geben, wo immer wir können. Nur wenn wir alle miteinbeziehen, können wir eine Eskalation verhindern.“

Äthiopien steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der missio-Aktionen rund um den Monat der Welt­mission im Oktober. 

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